Detailinformationen
SEIDELMANN, Axel - Hiob. Kirchenoper (1994) < zurück
Titel: Hiob. Kirchenoper (1994)
Dauer: 120'

Text: Axel Seidelmann nach dem Buch Hiob und den Psalmen
1 S., 1 Countert., 2 T, Bar., 2 B., Spr.; gem. Chor
Bestellnr.: Aufführungsmaterial leihweise
Infoblatt (pdf):  Hiob. Kirchenoper (1994)

Beschreibung:
Angeregt durch die theatralischen Räume der Barockkirchen kam mir die Idee, die barocke Kirchenoper in moderner Form wiedererstehen zu lassen. (Ursprünglich war die Aufführung des Werks im Rahmen des „Spectaculum“ in der barocken Universitätskirche geplant, die zum Zeitpunkt der Uraufführung wegen Restaurierungsarbeiten leider nicht zur Verfügung stand.)
 
Die Wahl des Stoffes fiel auf die Hiob-Erzählung der Bibel, ein Drama zeitloser Aktualität. Bei der Frage, in welcher Weise dieser Stoff heutzutage darzubieten sei, schienen mir alle Modernisierungsversuche und Experimente mit zeitgenössischen Theaterformen die elementare Wucht des Inhalts zu schwächen oder gar am Thema vorbeizugehen. So beschloss ich, einfach eine Geschichte zu erzählen …
Das Ergebnis ist ein Spiel mit Raum und Zeit, auch ein Spiel mit kirchlichen Traditionen bzw. denen der Sakralmusik. Alles wird trügerisch, am Ende ist nichts mehr das, was es zu sein vorgibt, Hiob sprengt alle Sicherheiten. Auf mehreren Spielebenen (Bühne, Emporen, Nischen etc.) verteilt agieren Solisten und Ensembles, man hört einen psalmodierenden Historicus (der aus dem Alten Testament vorträgt), Anklänge an ekstatische mittelalterliche Organa sowie an Mehrchörigkeit und Echo-effekte des Frühbarock, dazu tritt im Intermedium ein Ballett der Allegorien von Tugenden und Lastern, schließlich kontrastiert Hiobs Aufschrei inmitten der rauchenden Trümmer einer heutigen Katastrophe mit den flutenden Klängen des Himmels in seinem „ewigen“, ikonenhaften Goldglanz. All dies irgendwo zwischen Pärts Mystik und Pendereckis Apokalypsen. Kein Platz für Schöngesang. Bleibt nur die Erkenntnis: Glaube ist bedingungslose Kapitulation, doch die Gerechten sind es, die die Welt in Gang halten. Erst wenn deren letzter fällt, fällt auch Jahwes Schöpfung. Ein Lobgesang inmitten von Dreck und Elend, ein Halleluja aus Traurigkeit, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.
Axel Seidelmann