Detailinformationen
CERHA, Friedrich - Quintett für Oboe und Streichquartett (2007) < zurück
Titel: Quintett für Oboe und Streichquartett (2007)
Dauer: 16'30''
Bestellnr.: 06 822-PA (Partitur) / 06 822-ST (Stimmen)
Beschreibung:
Das Verhältnis von Einzelnem und Gesellschaft war von den 60er- bis in die 90er Jahre ein zentrales Thema meines Opernschaffens. In den letzten 15 Jahren hat mich aber auch auf instrumentalem Gebiet das Gegenüberstellen von Individuum und einem Kollektiv, - das Miteinander, das Gegeneinander, das mögliche Wechselwirken von beidem immer wieder beschäftigt. Und so ist ein Cellokonzert, ein Violinkonzert, ein Saxophonkonzert, aber auch ein Stück für Klarinette und Streichquartett, eines für Posaune und Streichquartett und als letztes 2007 ein Oboenquintett entstanden.
 
In den letzten Jahren habe ich mich von den „neuen“ Spieltechniken, von den klanglichen Verfremdungen, an deren Entwicklung ich – was die Geige betrifft – in den 50er Jahren wesentlich beteiligt war, zunehmend übersättigt gefühlt. Ich hatte plötzlich Sehnsucht nach dem reinen Instrumentalklang und nach einem klaren, gut durchhörbaren und dennoch nicht billigen musikalischen Satz. Im Fall des Oboenquintetts ist dabei eine Musik herausgekommen, die von meinen Arbeiten der letzten fünfzig Jahre am stärksten Elemente unserer musikalischen Tradition aufgreift. Traditionell ist schon die Anlage des Gesamtwerks: Schnell – langsam – schnell.
Der erste Satz enthält drei unterschiedliche Charaktere, die variiert wiederkehren, wobei eine Reihe von Bewegungen des ersten Abschnitts in umgekehrter Form erscheinen. Der dritte Abschnitt des Satzes enthält eine Allusion auf den letzten Satz der Schönbergschen Serenade op. 24, - ein Stück, das ich heiß liebe.
Der zweite Satz entspricht nicht dem, was man nach dem Gesagten in der Tradition erwarten würde. Sordinierte Streicher leiten im pp rasch einen völlig anderen, von punktierten Rhythmen bestimmten, eher düster - gepressten Charakter ein, der gleichwohl nicht das ganze Geschehen bestimmt und in der Mitte einer Oboenlinie über einem Gerüst von pizzicati weicht.
Der dritte Satz hat Divertimento-Charakter, wobei mir das leggiero ein besonderes Anliegen ist. Der Mittelteil besteht ausschließlich aus kurzen Achteln, im Streichquartett im pizzicato.
Insgesamt ist er wieder dreiteilig mit einer Coda am Schluss.
Ironie des Schicksals: Aus der Taufe hebt das Stück ausgerechnet Heinz Holliger, dem wir so viel Reizvolles an Spieltechniken und neuen Klängen auf der Oboe verdanken, von denen in diesem Stück absolut nichts vorkommt.
Friedrich Cerha

Preis(in €): 19,95 (Partitur) / 36,50 (Stimmen)