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RADULESCU, Michael

Dass es nach der Auflösung traditioneller und moderner Kunstbegriffe keine magistralen Systeme, keine technischen Zufluchten mehr gibt, dafür aber eine Vielfalt an Stilen und Richtungen, ein ständiges Nebeneinander und Einanderdurchdringen von Geschichte und Gegenwart, sieht Michael Radulescu als Chance für den heutigen Komponisten. Sein kompositorisches Werk entsteht in einer die Gegensätze geradezu suchenden Auseinandersetzung mit Schönbergs Zwölftondenken, Hindemiths harmonikalem Kosmos, Varèses explosivem Univers sonore, dem Zeiterlebnis bei Messiaen und Lutoslawski einerseits, der Gregorianik und der frühen Mehrstimmigkeit vor der Ars nova andererseits. Wiewohl Werke geistlichen Inhalts, Chor- und Orgelkompositionen in seinem Schaffen breiten Raum einnehmen, kann Radulescu keinesfalls mit der ohnehin obsoleten Etikette Kirchenkomponist behaftet werden. Werke wie die auf Dürers magische Quadrate bezogene Melencolia für Blockflöte und Schlagzeug, Ebla's Song of Praise (in gleich drei verschiedenen Besetzungen!), Rex Coeli für gemischten Chor a cappella, Epiphaniai für Orgel, 4 Klarinetten, 4 Posaunen, 2 Kontrabässe und Schlagzeug (oder für Orgel und Registranten allein) sind vielmehr meditative (dabei nicht undramatische) Betrachtungen, die einer Welt des Traums, des Unbewussten und des Symbols entspringen. Radulescus bis zur Mitte der 70er Jahre entstandene Kompositionen sind der Reihentechnik verpflichtet, so etwa die Deutsche Zwölftonmesse für Doppelchor und Schlagzeug, die Sonate für Blockflöte und Cembalo, Fünf Stücke für Orgel, Variationen für großes Orchester. Das Unbehagen am Zwanghaften, Diktatorischen der Dodekaphonie führte in Auseinandersetzung mit der alten Tetrachord- und Hexachordlehre schließlich zum modalen Denken, zum Entwerfen eigener Tongeschlechter und zur Neuformulierung mittelalterlicher Satztechniken und Formkonzeptionen. Spring - japanische Haikus für Sopran und 4 Instrumente, ein aphoristisches Stück, in das Idiome von Webern und Boulez eingeflossen sind, steht am Ende der dodekaphonen Phase. Die hierin angewandte "erweiterte Pentatonik" weist auf kommende Entwicklungen voraus. In diesem Kontext mußte Radulescu den Dreiklang für sich neu entdecken, für ihn kein ästhetisches Tabu mehr, sondern eine Gegebenheit der Natur, die nicht ignoriert werden kann. Den vollzogenen Paradigmenwechsel markieren Vier alttestamentliche Gebete für Altstimme und Orgel, die beiden Choralphantasien und die Sieben Choräle zur Passion für Orgel, die Deutsche Messe in F. Wie spannend die mittelalterliche Tanzform der "Estampie" im modernen Sinn als "inégale" Abfolge permutierbarer Zeitspannen weitergedacht werden kann, beweisen die Estampien in Ricercari für Orgel, Epiphaniai und im Streichsextett. Das Permutationsverfahren, bezogen auf Töne, Rhythmen und Vokale, hat in Radulescus Werk konstruktive Bedeutung. Vokale als variable Farbwerte - von der Vokalmystik in Dantes "Urwort" aueio inspiriert - treten in Wechselwirkung zum Perkussiv-Geräuschhaften der Konsonanten, wie sich dies in der immer wieder gewählten Besetzung von Singstimmen und Schlagzeug äußert, so im Geistlichen Konzert, in der Zwölftonmesse, in De Poeta für vier Chöre und Röhrenglocken, Veni für Sopran, Flöte und drei Schlagzeuggruppen und dessen erweiterter Fassung Nomen für drei gemischte Chöre, zwei Flöten und Tamtam. Trotz der in diesen Werken manifesten Vorliebe für gestische Bewegungsaktionen ohne bestimmte Tonhöhe hält Radulescu noch am Primat der Diastematik fest. Die Idee der Einstimmigkeit ist schon in den früheren Solostücken für Blockflöte (Capricci), Viola (Suonata) und Violoncello (Threnodia) bemerkbar und gewinnt in den Werken der 90er Jahre entscheidende Bedeutung. Versi für Sopran und Orgel, De Poeta, Veni und Nomen sind streng genommen einstimmige Musik mit auskomponierter Resonanz, wodurch mehrschichtige, in sich kreisende Klangräume suggestiven Charakters entstehen. Oder wie Michael Radulescu es mit eigenen Worten sagt: "Wenn ich heute auf die Frage 'Was ist Musik' antworten soll, so ist Musik für mich ein Miterklingen, eine 'Sympathie' von Vorder-und Hintergrund, von Licht und Schatten, sie ist Resonanz..." Roman Summereder Homepage

Geburtstag

19.06.1943

Biographie

1943
Geboren am 19. Juni in Bukarest als Sohn eines rumänischen Vaters und einer deutschen Mutter; erster musikalischer Unterricht im Elternhaus;
1956-59
Orgelunterricht in Kronstadt/Sibiu (Victor Bickerich)
1957-64
Kompositionsstudium bei Mihail Jora (zunächst privat, später zeitweilig auch am Konservatorium
1959
Organistendebüt am Bukarester Athenäum, seither Konzerttätigkeit in Europa, Nordamerika, Australien und Japan (seit 1983 auch als Dirigent
1964/65
Besuch der Kurse an der Sommerakademie „Mozarteum“ in Salzburg: Orgel bei Anton Nowakowski, Cembalo bei Anna B. Speckner, Dirigieren bei Carl Melles; Bekanntschaft mit Carl Orff und dem Musikforscher Thrasybulos Georgiades
1965
Nach anhaltender politischer Verfolgung in Rumänien Übersiedlung in den Westen (Wohnsitz in Passau; 1966: deutscher Staatsbürger)
1965-68
Studien an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien: Orgel bei Anton Heiller, Dirigieren bei Hans Swarowsky und Karl Österreicher
1968 -
Professor an der Hochschule/Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien Gastvorträge, Meisterklassen und Kurse in Europa und Übersee; Juror bei internationalen Wettbewerben
1968
Kompositionspreis beim Wettbewerb der Wiener Musikakademie (Quintett für Bläser)
1970
Förderungspreis der Stadt Stuttgart (Deutsche Zwölftonmesse)
1971
Wohnsitz in Wien; Kompositionspreis beim Wettbewerb anlässlich des Dürer-Jahres in Nürnberg. (Ein geistliches Konzert)
1974
Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft (Doppelstaatsbürger)
1975
Kompositionspreis des Österreichischen Komponistenbundes (Streichtrio II)
1981
Kompositionspreis des Österreichischen Komponistenbundes (Variationen für großes Orchester)
1991
Förderungspreis für Musik des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht und Kunst (De poëta)
2003
Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
2005
Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

Keine Medien vorhanden

Werke

Cover Preludes

... De Lumine...

2013

Dauer: 8'

Bestell-Nr.: 42 891

Cover Preludes

Beati...

1993

Dauer: 19'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Capricci für Altblockflöte (Querflöte)

1974

Dauer: 8'

Bestell-Nr.: 04 455

Cover Preludes

Choralphantasie 'Da Jesus an dem Kreuze stund'

1976

Dauer: 25'

Bestell-Nr.: 02 318

Cover Preludes

Choralphantasie 'O Mensch, bewein dein' Sünde groß'

1978

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 02 340

Cover Preludes

De Poeta

1998

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 08 878

Cover Preludes

De Poeta

1988

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 46 079 (Partitur, Instrumentalstimmen)

Cover Preludes

Deutsche Messe in F für gemischten Chor

1976

Dauer: 19'

Bestell-Nr.: 44 716 (Chorpartitur)

Cover Preludes

Deutsche Zwölftonmesse

1969

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 46 050 (Partitur, Chorpartitur)

Cover Preludes

Drei Motetten für Oberchor

1971

Dauer: 11'

Bestell-Nr.: O 305, O 306, O 307 (Chorpartituren)

Cover Preludes

Ebla's Song of Praise

1994

Dauer: 14'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Ebla's Song of Praise für gemischten Chor und Orgel

1986

Dauer: 14'

Bestell-Nr.: 45 572 (Orgelpartitur)

Cover Preludes

Ecce Virgo

1994

Dauer: 8'

Bestell-Nr.: 08 880

Cover Preludes

Ein geistliches Konzert

1970

Dauer: 7'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

En Arche(i)... Vier Anrufungen für gemischten Chor und Instrumente

2010

Dauer: 22'

Bestell-Nr.: Aufführungsmaterial leihweise

Cover Preludes

Epiphaniai

1988

Dauer: 22'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Epiphaniai für Orgel

Dauer: 22'

Bestell-Nr.: 02 391

Cover Preludes

Epiphaniai für Orgel und Schlagzeug Fassung für Orgel solo

2008

Dauer: 25'

Bestell-Nr.: 02 391

Cover Preludes

Fünf Stücke für Orgel

1972

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 02 287

Cover Preludes

Leiden und Tod unsres Herrn und Heilands Jesus Christus

2003

Dauer: 64'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Madrigali. 9 Strophen für Orgel

2010

Dauer: 22'

Bestell-Nr.: 02 478

Cover Preludes

Melencolia

1982

Dauer: 17'

Bestell-Nr.: 04 449

Cover Preludes

Mitten wir im Leben

Dauer: 10'

Bestell-Nr.: 07 653

Cover Preludes

Nomen

1997

Dauer: 25'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Quintett für Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott

1967

Dauer: 13'

Bestell-Nr.: 06 431 (Stimmen), Stp. 260 (Studienpartitur)

Cover Preludes

Resurrexit für Orgel

2001

Dauer: 23'

Bestell-Nr.: 02 440

Cover Preludes

Rex Coeli für gemischten Chor

1981

Dauer: 19'

Bestell-Nr.: 44 127 (Chorpartitur)

Cover Preludes

Ricercari für Orgel

1984

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 02 384

Cover Preludes

Sextett für zwei Violinen, zwei Bratschen und zwei Violoncello

1995

Dauer: 18'

Bestell-Nr.: 06 269 (Stimmen), Stp. 675 (Studienpartitur)

Cover Preludes

Sieben Choräle zur Passion für Orgel

1982

Dauer: 40'

Bestell-Nr.: 02 360

Cover Preludes

Soliloquia

2007

Dauer: 20'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Soliloquia Fassung für Singstimme solo mit 2 hängenden Becken

Dauer: 15'

Bestell-Nr.: 07 654

Cover Preludes

Sonate für Blockflöte (Querflöte) und Cembalo

1971

Dauer: 10'

Bestell-Nr.: 04 418

Cover Preludes

Sonetti

2011

Dauer: 20'

Bestell-Nr.: 44 137 (Singpartitur)

Cover Preludes

Suonata für Viola solo

1985

Dauer: 12'

Bestell-Nr.: 03 510

Cover Preludes

Threnodia für Violoncello solo

1984

Dauer: 12'

Bestell-Nr.: 03 730

Cover Preludes

Trio I für Violine, Viola und Violoncello

1969

Dauer: 11'

Bestell-Nr.: 06 025 (Stimmen), Stp. 319 (Studienpartitur)

Cover Preludes

Trio II für Violine, Viola und Violoncello

1973

Dauer: 14'

Bestell-Nr.: 06 031 (Stimmen), Stp. 526 (Studienpartitur)

Cover Preludes

Variationen für großes Orchester

1973

Dauer: 18'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Veni

1996

Dauer: 30'

Bestell-Nr.: Leihmaterial

Cover Preludes

Versi für Sopran und Orgel.

1998

Dauer: 16'

Bestell-Nr.: 08 877

Cover Preludes

Vier alttestamentliche Gebete

1979

Dauer: 20'

Bestell-Nr.: 08 869