in memoriam Dr. Herbert Vogg

Wir trauern um unseren ehemaligen Verlagsleiter Dr. Herbert Vogg

Von 1955 bis 1988 war Dr. Herbert Vogg als Verlagsleiter im Musikverlag Doblinger tätig. Wir verlieren mit ihm nicht nur eine Verlegerpersönlichkeit, dessen Tatkraft und Expertise alle schätzten. Unser Mitgefühl gilt nun seiner Familie und allen Angehörigen.

Der Talenteschmied

Geboren in Wien, studierte Vogg Musikwissenschaft und Germanistik, wurde nach seiner Promotion Musikkritiker und kam bald darauf als Lektor zu Doblinger, wo er auch noch die Lehre als Musikalienhändler absolvierte. Unter der Ägide von Doblinger-Geschäftsführer Christian Wolff rückte Vogg zunächst als Verlagsleiter in die Verantwortung für Lektorat, Produktion und Werbung auf, wurde schließlich auch Prokurist. Sein enges, auch persönliches Verhältnis zu den zeitgenössischen Komponisten Österreichs beflügelte ihn, dem einstigen Operetten-Verlag ein neues, aktuelles Gesicht zu geben: In jahrzehntelanger Aufbauarbeit machte Herbert Vogg den Musikverlag Doblinger eigentlich zu dem, was er heute ist – ein Zentrum der österreichischen Gegenwartsmusik. Daneben wurde der Verkaufskatalog in die Richtungen Pädagogik, Chor- und Kirchenmusik geschickt ausgebaut. Eines der nachhaltig erfolgreichsten „Kinder“ seiner Tätigkeit bei Doblinger wurde unglaubliche sechzig Jahre alt, ist aber immer noch im Wachstum begriffen: die Reihe Diletto musicale.

Voggs musikalisch-literarische Doppelbegabung brach sich freilich auch neben diesen verantwortungs- und verdienstvollen Tätigkeiten Bahn: Als Librettist von Komponisten wie Robert Schollum, Helmut Eder, Thomas Christian David, Herbert Lauermann und Gerhard Schedl (um nur einige zu nennen), hat er die Texte zu einer stattlichen Zahl an Vokal- und Bühnenwerken geschrieben, die Geschichte des Hauses Doblinger 1976 in der umfangreichen Festschrift zum Hunderter des Musikverlages protokolliert, unter dem Titel „Am Beispiel Egon Wellesz“ den aufschlussreichen Briefwechsel zwischen Komponist und Verleger herausgegeben, war als Bearbeiter und Übersetzer tätig – und hat für Schlager sowohl Text als auch Musik geschrieben.

Seinem Wunsch entsprechend wird er im engsten Familienkreis auf dem Evangelischen Friedhof in Wien-Matzleinsdorf zur letzten Ruhe gebettet.