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RÜEGG Mathias

Kadenzurlaub für Posaune, Vibraphon und Klavier

Bestell-Nr.
35 772
ISMN
979-0-012-20098-7

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Beschreibung

1900 und 1901 tourte John Philip Sousas amerikanische Ragtimeband mit einem gewissen Arthur Pryor durch Europa. Dieser Ventilposaunist gilt als der Erfinder des Glissandos, das u. a. die zeitgenössischen Komponisten von Ravel über Strawinksy, Debussy bis zu Schönberg und Zemlinksy schwer beeindruckt haben dürfte. Bereits 1902 kam dieser Effekt in Schönbergs Pelleas und Melisande vor und wurde dann 1908 im Finale von Ravels Rapsodie espagnole exemplarisch weitergeführt. Jedenfalls trat der Jazz seinen Siegeszug vor allem mit diesen ganz spezifischen Sounds der Bläser, kombiniert mit einer neuartigen Rhythmik und Phrasierung, an. Die Improvisation war zu der Zeit noch nicht sehr entwickelt und bewegte sich hauptsächlich im Umspielen und Begleiten der Themen. Aber das „Heulen“ der Kornette, Klarinetten und Posaunen, das hatte die Welt so noch nicht gehört und das hinterließ einen bleibenden Eindruck. Womit wir wieder mal bei einem großen Unterschied zwischen Klassik und Jazz wären: Während es in der Klassik (der Zeit unterworfene) Klangideale gibt, die man zu erreichen versucht, sucht jeder im Jazz nach seinem individuellen Sound. Man erkennt den Musiker am besten schon an der ersten Note. Und so haben alle großen Meister im Jazz ihre gewaltigen Klangspuren hinterlassen. Und Sie, lieber Interpret, können/sollen dieses Stück mit welchem Sound auch immer spielen. Hauptsache, Sie h a b e n einen ..:-)) Und Dominik Stöger, für den ich dieses Stück geschrieben habe, bewegt sich ebenfalls zwischen diesen zwei Welten. Man kann es also mehr mit klassischem Klang oder mehr jazzig spielen, es passt eigentlich immer. Und dann noch einen kleinen Dank an all die anderen Posaunisten, die mit mir gearbeitet haben: Jungstar Christian Radovan, die Avantgardisten George Lewis und Christian Muthspiel, „Auchsänger“ Ray Anderson, Funkposaunist Joseph Bowie, Supervirtuose Adrian Mears, Bassposaunist Ed Partyka, der Bulgare Georgi Kornazov und Growlspezialist Robert Bachner. Hörproben Allgemeine Spielanleitungen: Nachdem ich versuche, „klassische“ Musik aus der Perspektive eines Jazzmusikers zu schreiben, sollte Folgendes berücksichtigt werden: Alle rhythmischen Stellen beziehen sich auf den Grundbeat und müssen entsprechend rhythmisch, also ohne irgendwelche „Verzögerungen“ etc. gespielt werden. Die Phrasierung ist im Großen und Ganzen immer die gleiche: Die Bögen markieren die Längen (bzw. die melodischen Abschnitte) der Phrasen und oft auch ihre Akzente, sind aber hier, im Gegensatz zur klassischen Notation  k e i n e  Legatoangaben. Das klassische Staccato kommt eigentlich fast nie vor, es handelt sich also um eine Art Attacca, d. h. die Bläser stoßen die Noten einzeln an, und die Streicher spielen „Alla Corda“ bzw. „Détaché“ und phrasieren jede einzelne Note. Im Jazz würde man die Phrasierung als nicht triolisierte Legatoachtel bezeichnen. Bei den Rubatostellen wird dann normal legato gespielt. PS: Komponisten (wie ich) liefern Vorschläge und legen keinen großen Wert auf Werktreuefetischismus. Wichtig ist das Erkennen der musikalischen Strukturen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die „richtige“ Interpretation, vor allem, was die Rhythmik betrifft. mathias rüegg, Wien, März 2011